3D-Druck Farbwechsel leicht gemacht – Mehrfarbig drucken ohne Stress

Mein erster Versuch, ganz allein etwas mit unserem Bambu Lab X1C zu drucken, war… sagen wir… lehrreich. Ich wollte eine farbige Herbst-Fensterdeko in mehreren Farben drucken, war voller Motivation – und landete in einem Berg aus Filament-Abfall. Der 3D-Druck lief nicht wie geplant, der Extruder änderte die Farbe mitten im Druckvorgang, und das Material war früher leer als gedacht.

Vielleicht kennst du das auch:
Beim 3D-Druck mit mehreren Farben reicht das Filament plötzlich nicht aus, ein mehrfarbiges Modell braucht ewig, der Purge-Tower wächst rotierend in den Himmel oder der mehrfarbige Druck bricht ab. Genau solche Erlebnisse können den Spass beim 3D-Drucken schnell trüben.

In diesem Beitrag teile ich meine persönlichen Erfahrungen rund um das Thema Farbwechsel beim 3D-Druck. Du erfährst praktische Tipps, wie du Abfall gezielt vermeidest, und ich erkläre dir, wie deine Projekte trotz Mehrfarbigkeit bunt, kreativ und nachhaltig gelingen können – perfekt für Familien, die Spass am Basteln haben und den 3D-Druck sinnvoll in ihren Alltag einbinden möchten.

3-D-gedrucktes Einhorn-Schmuckkästchen mit Regenbogen-Mähne, bestückt mit bunten Kinderarmbändern und Perlenketten

Das Wichtigste in Kürze

Clever planen: Lieber nacheinander drucken statt Schicht für Schicht → weniger Filamentwechsel, weniger Abfall.

🎨 Filament gezielt einsetzen: Restposten clever oder mit Slicer kalkulieren, damit du nicht mitten im Druck ohne Material dastehst.

⚙️ Einstellungen nutzen: In Cura oder PrusaSlicer „Pause at Height» oder Farbwechsel aktivieren, um kontrolliert das Filament zu tauschen.

♻️ Filamentreste verwerten: Kleine Projekte, Upcycling, Familienbasteln.

😊 Mehr Spass als Stress: Farbwechsel ist kein Hexenwerk – mit ein bisschen Übung klappt’s zuverlässig.

Highlights

🎨 Farbwechsel beim 3D-Druck: Welche Möglichkeiten gibt es?

1️⃣ Automatischer Farbwechsel (AMS, Prusa MMU, Mosaic Palette)

Viele moderne 3D-Drucker wie der Bambu Lab X1C, Prusa MMU oder Systeme wie Mosaic und Mosaic Manufacturing bieten automatische Mehrfarbenlösungen. Solche Systeme:

  • übernehmen Farbwechsel vollautomatisch
  • können mehrere Farben und verschiedene Materialien verarbeiten
  • nutzen oft Backup-Filament
  • arbeiten schichtweise oder Schicht für Schicht
  • ermöglichen mehrfarbigen 3D-Druck direkt in Farbe

Der Nachteil: Das System erzeugt durch das Reinigen der Düse manchmal viel Abfall – je nachdem wie oft der Extruder das Filament extrudiert und die Farbe wechselt.

2️⃣ Manuelle Farbwechsel (alle FDM-3D-Drucker)

Falls du keine Farbwechselfunktion hast, musst du den Farbwechsel manuell durchführen. Das heisst: Pausen im Slicer (z.B. Bambu Studio) vorgängig planen oder die Pause-Funktion direkt am Gerät nutzen. Dann das alte Filament herausziehen, Filamentrolle wechseln und das neue Filament wieder hineinstecken. Das neue Filament so lange durch die Düse drücken, bis die alte Farbe nicht mehr sichtbar ist. Dann kann der Druck fortgesetzt werden.

Etwas manuell, aber sehr zuverlässig – vor allem wenn du nur zwei Farben wechselst.

Unser Drucker hat ein AMS und daher kann es sein, dass sich unsere Erfahrung nicht ganz genau auf einen Drucker ohne AMS anwenden lässt. 

Warum Farbwechsel im 3D-Druck oft schwierig ist

Einfarbig drucken ist simpel. Aber sobald mehrere Farben ins Spiel kommen, entsteht oft viel Abfall durch das Reinigen der Düse vom alten Filament – und der Druck dauert deutlich länger.

Beim 3D-Druck mit mehreren Farben entstehen oft sogenannte Purge-Tower:
Der Drucker baut kleine Reinigungsblöcke, um die Düse von altem Material zu säubern. Das ist nötig, damit die ersten Linien nicht verunreinigt oder falsch eingefärbt sind.

Das führt zu:

  • mehr Materialverbrauch
  • längeren Druckzeiten
  • grösseren Abfallmengen

Besonders bei einem mehrfarbigen 3D-Druck, bei dem der Extruder mehrmals pro Schicht die Farbe wechselt, kann das Verhältnis „Druckobjekt vs. Abfall“ sehr ungünstig werden.

👉 Nachteil für Familienprojekte: Das kostet nicht nur Material, sondern auch jede Menge Geduld – gerade wenn Kinder gespannt auf ihr neues Teil warten.

👉 Besser ist es, nacheinander zu drucken: Erst die roten Teile, dann die blauen, dann die grünen. So vermeidest du Abfall, sparst Zeit und hast mehr Kontrolle über das Ergebnis. Beim Bambu Slicer z.B. kann man auch die Druck sequentiell anpassen, das nicht Schicht für Schicht gedruckt wird sondern ein Objekt nach dem andern. Somit kann man z.B. ein oranges Benchy und ein grünes Benchy im selben Druckauftrag mit nur einem Filamentwechseln von orange nach grün erstellen.

Zur Info: Benchy ist das ultimative Testobjekt in der 3d Comunity. Ein kleines Boot.

Filamentwechsel & Materialengpässe – Wenn das Filament beim 3D-Druck nicht reicht

Gerade bei grossen Modellen wie Organizer, Spielzeugkisten oder Aufbewahrungsboxen kann es passieren: Das Filament reicht nicht.

Tipps, um den Druck trotzdem zu retten:

  • Zweite Rolle direkt im Drucker installieren: Die beste Lösung ist, eine Ersatzrolle gleich als zweite Rolle im Drucker einzuspannen. Viele Geräte erkennen automatisch, wenn die erste Rolle leer ist, und wechseln dann selbstständig – oder du kannst den Wechsel im Slicer einstellen.

  • Restrollen wiegen: Ein Kilo PLA reicht für etwa 330–350 Meter. Viele Slicer zeigen die benötigte Länge an – einfach vergleichen, ob die Rolle noch reicht. Dazu am besten eine identische leere Filamentrolle wiegen, damit du diese für das Ermitteln des restlichen Filaments von dem Rollengewicht abziehen kannst.

  • Pause at Height: In BambuStudio kannst du einstellen, dass der Drucker bei einer bestimmten Schicht stoppt. Dort wechselst du dann das Filament.

  • Filament-Change-Funktion: Manche Drucker und Slicer haben die Option direkt integriert – der Druck pausiert automatisch, bis du das neue Material eingeführt hast.

  • Vorgehensweise, wenn der Drucker kein Mehrfarbiges Drucken unterstützt: Druck pausieren, Filament herausziehen, neues einführen, wieder starten.

Gut zu wissen: Nutzt du das gleiche Filament, sieht man im Ergebnis später nicht, dass mitten im Druck gewechselt wurde. Nur wenn du eine andere Farbe oder ein anderes Material einsetzt, wird der Wechsel sichtbar.

Praktische Einstellungen im Slicer

Hier ein Überblick über gängige Programme:

Bambu Lab:

  • Farbwechsel per Rechtsklick im Layer-Menü einstellen.
  • Drucker pausiert automatisch, bis du das neue Filament einführst.3

PrusaSlicer

  • Perfekt für Prusa-User oder Multi Material-Projekte
  • Gut für Systeme wie Mosaic Palette oder andere mehrfarbenlösungen

Cura

  • „Pause at Height“, Farbwechsel, Multi-Extruder-Funktionen
  • Ideal für fdm-3D-Drucker

Tipps:

  • Testdrucke mit kleinen Teilen ausprobieren.
  • Drucke lieber ein Objekt komplett in einer Farbe und dann das nächste in einer anderen Farbe. So gibt es viel weniger Filamentwechsel, was Zeit und Abfall spart. In Bambu Studio lässt sich das einstellen: Ein Farbwechsel pro Objekt statt dutzende pro Layer – das spart erheblich Material und Druckzeit.

Nachhaltiger 3D-Druck – Abfall reduzieren bei mehrfarbigen Modellen

3D-Druck macht Familienalltag kreativer – aber niemand möchte unnötige Plastikberge. Deshalb:

  • Farben clever planen: Drucke alle Teile in einer Farbe nacheinander.

  • Reststücke sinnvoll nutzen: Kleine Filamentreste für Mini-Projekte einsetzen – z. B. Montessori-Labels, Schlüsselanhänger oder Lernspielzeuge.

  • Fehlprints Upcycling: Missratene Modelle nicht wegwerfen, sondern ins Basteln mit den Kindern integrieren. Sie eignen sich super für Collagen, Mini-Welten oder als „Bauklötze“.

  • Filament-Sorten wählen: PLA ist biologisch abbaubarer als ABS und daher oft nachhaltiger für Familien.

Kreative Anwendungen für Filamentreste beim 3D-Druck

Auch wenn beim Farbwechsel oder durch missglückte Drucke einiges an Filamentabfall entsteht, musst du die bunten Reste nicht einfach wegwerfen. Gerade im Familienalltag lassen sich daraus noch viele kleine Projekte zaubern:

🎨 Bastelideen mit Kindern

  • Collagen & Bilder: Die bunten Knäuel wie Konfetti oder „Naturmaterialien“ in Bilder kleben → ergibt spannende Strukturen.

  • Mini-Dioramen: Die Stücke als „Steine, Büsche oder Korallen“ in kleine Fantasiewelten kleben (z. B. für den Bauernhof oder eine Dino-Landschaft).

  • Zaubersteine: Mit etwas Klarlack oder Glitzer bestreichen und als „Schatzsteine“ oder „Magie-Kristalle“ ins Rollenspiel einbauen.

🧩 Spiel- & Lernideen

  • Zähl- und Sortierspiele: Kinder können die Stücke nach Farbe oder Größe sortieren → spielerisches Lernen.

  • Sensorik-Material: In einem durchsichtigen Behälter sammeln und als „Schüttmaterial“ für Sensorik-Spiele nutzen (nur unter Aufsicht, da Kleinteile).

  • Bastelketten: Mit einer Nadel auffädeln und als bunte Girlande fürs Kinderzimmer nutzen.

🌿 Dekoration & Upcycling

  • Streudeko: Für Geburtstagstische, Saison-Deko oder DIY-Karten.

  • Christbaumschmuck: In durchsichtige Acryl-Kugeln füllen → ergibt bunte Weihnachtskugeln.

  • Windlichter: Glasgefäß mit den Filamentstücken füllen, LED-Teelicht rein → buntes Lichtspiel.

🔬 Experimentiermaterial

  • Material-Tests: Kinder können ausprobieren: „Was passiert, wenn man es anmalt, klebt, schneidet?“

  • Heißkleber-Experimente: Kleine Figuren oder Muster aus den Resten zusammenkleben.

  • Kreativ-Upcycling: Stücke schmelzen (z. B. im Backofen zwischen Backpapier, nur für Erwachsene!) → daraus Platten oder Anhänger herstellen.

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Fazit – Mehrfarbig drucken mit jedem 3D-Drucker

Der Farbwechsel im 3D-Druck wirkt anfangs kompliziert – besonders wenn man mehrere Farben oder mehrfarbige 3D-Drucktechnologien nutzt. Aber mit ein paar Tricks kannst du:

  • Abfall reduzieren
  • Farbwechsel steuern
  • Material clever nutzen
  • bunte Ergebnisse ohne Stress produzieren
  • Kinder aktiv einbeziehen

Egal ob du Bambu Lab, Prusa, Mosaic Palette, FDM-3D-Drucker oder andere Systeme nutzt – du kannst kreative, farbige 3D-Drucke herstellen, die Freude bringen. Am Ende geht es nicht um Perfektion, sondern darum, dass Kinder und Eltern gemeinsam Spass haben und nachhaltige Ideen ausprobieren.

Hast du schon einmal ein farbiges 3D-Projekt umgesetzt?

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